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Hier veröffentliche
ich in unregelmäßigen Abständen Erlebnisse und Gedanken
aus meinem Arbeitsalltag.
LEERE
30. November
2010
Sehr berührende,
eindrucksvolle Bilder von der Leere, die ein Mensch hinterlässt,
der stirbt.
http://hkfotografie.de/bilder/leere/
WER GOTT IN DER
NATUR SUCHT
3. Oktober 2010
Vor vielen Jahren
las ich einmal auf einem Auto den Spruch "Wer Gott in der Natur sucht,
der soll sich auch vom Oberförster beerdigen lassen". Damals
hat mich dieser Spruch maßlos aufgeregt, das war lange Zeit, bevor
ich selbst Trauerrednerin wurde. Ich fand ihn anmaßend und böse,
ein Schlag ins Gesicht der Menschen, denen das Herz aufgeht, wenn sie
einen Wald betreten, die in der Schönheit einer Kirschblüte,
dem Erschauern vor den roten Spuren, die der Herbst über das Land
zieht, der Stille und Ehrfurcht vor einem neu geborenen Tierkind etwas
spüren vom Geheimnis der Schöpfung.
Heute denke ich mit einem Schmunzeln an diesen Spruch. Denn letzte Woche
habe ich meine erste Trauerfeier in einem Friedwald gehalten. Und es war
tatsächlich eine Oberförsterin, die im neuen Friedwald in Ebermannstadt
die Urnenbeisetzung begleitet hat. Das Urnengrab nahe einer Buche war
mit Zweigen und Herbstlaub wunderschön geschmückt. Die Urne
stand auf einer Baumscheibe. So konnte ich als Rednerin einen Bogen schlagen
zwischen den Jahresringen des Baumes und den Lebensjahren des verstorbenen
Menschen.
Es gab keine Musik, nur das leise Tropfen des Regens auf den Blättern,
ein paar ferne Vogelstimmen und um uns die fallenden Blätter des
Herbstlaubs, die uns hineinnahmen in unser Empfinden von Werden und Vergehen.
Was könnte
schöner und passender sein als letzte Ruhestätte für einen
Menschen, der ein begeisterter Wanderer war, der jeden Baum und jeden
Vogel beim Namen kannte.
Und wenn dann am
Ende der Trauerfeier die Oberförsterin mit liebevollen vorsichtigen
Handgriffen das Grab schließt, dann mag so mancher denken, dass
hier eine Alternative zur friedhöflichen Bestattungskultur entstanden
ist, die durchaus Wertschätzung und Beachtung verdient und für
den einen oder die andere genau das Richtige sein kann.
GEDENKSTÄTTE
FÜR STERNENKINDER IN MÜNCHEN
10. März 2010
Auf dem Westfriedhof
München wurde im November 2009 eine Gedenkstätte für totgeborene
Kinder eingeweiht.
Da eine Münchner Bürgerin der Stadt eine stattliche Erbschaft
hinterlassen hatte, mit der Auflage, ihr Grab zu pflegen und den Westfriedhof,
in dessen Nähe sie gewohnt hatte, zu verschönern, war das Geld
vorhanden.
So entstand die Gedenkstätte für trauernde Eltern, die der Künstler
Florian Lechner mit viel Liebe und Nachdenklichkeit gestaltet hat.
"Ein Ort des Lichts", so ist der entsprechende Artikel überschrieben,
der in der Süddeutschen Zeitung vom 21. November 2009 erschienen
ist.
So gut ich eine solche Initiative finde, so sehr schmerzt mich, dass hier
aus meiner Sicht etwas ganz Wichtiges vergessen wurde - die Bedürfnisse
der trauernden Eltern.
In München wurde ein meditativer Ort geschaffen, aber es ist dadurch
kein Ort entstanden, an den Menschen, die ihr Kind verloren haben, ihre
Trauer tragen können.
Warum ich das glaube? Weil die Kinder, wieder einmal und wie an vielen
Stellen unserer Gesellschaft, namenlos bleiben. Es wäre doch ein
kleines gewesen, an diesem Ort eine Möglichkeit zu schaffen, wo Eltern
z.B. einen kleinen bemalten Stein mit dem Namen ihres Kindes niederlegen
können. Wann wird unsere Gesellschaft lernen, wie wichtig Namen sind?
Wann schaffen wir auch für Schmetterlingskinder und Regenbogenkinder
Orte der Erinnerung, die auch die Namen bewahren? Dafür sind Friedhöfe
doch da!
So wurde in München
verpasst, wirklich einen Platz der Erinnerung, der Trauer und der Hoffnung
zu schaffen. Ich möchte Städte und Kommunen, die etwas ähnliches
planen, dazu einladen, mit betroffenen Eltern das Gespräch zu suchen
und diese zu fragen, was sie brauchen. Ein vorbildliches Beispiel ist
hier aus meiner Sicht das von der Stiftung Roos im Allwetterzoo Münster
geschaffene "Denkmal für das unbekannte Kind", das nicht
auf einem Friedhof steht, sondern mitten in einer Umgebung, die Kindern
gefällt und Freude macht.
Es besteht aus einem großen Findling und vielen kleinen Namenssteinen
für Kinder, die im Herzen weiterleben. Jeder Besucher, jede Besucherin
des Zoos, Erwachsene und Kinder, sind herzlich eingeladen, einen Stein
an diesem Denkmal abzulegen. So werden die "unbekannten" Kinder
aus ihrer Anonymität geholt, bekommen einen Ort, einen Namen und
eine Würde, die ihnen im Leben oft versagt wurden.
DANK AN DIE SARGTRÄGER
18. Februar 2010
Liebe Sargträger,
manchmal, wenn wir zusammen einen verstorbenen Menschen zum Grab geleiten,
möchte ich Euch fragen -
Wisst Ihr eigentlich, was für einen wichtigen Beruf Ihr habt? Empfindet
Ihr die Verantwortung, empfindet Ihr die Heiligkeit dieses Moments? Ein
Mensch wird zu Grabe getragen. Ich verwende den Begriff getragen, obwohl
natürlich in den meisten Fällen ein großer Teil des Weges
mit dem Sargwagen gefahren wird. Aber ein Stück tragen ist auch immer
dabei. Und dann der Moment, wo Ihr den Sarg vorsichtig in die Erde hinunterlasst.
Zum Schluss verneigt Ihr Euch, bevor Ihr wieder geht. Warum eigentlich?
Aus Konvention? Aus Respekt?
Ich weiß, Euer Beruf ist gesellschaftlich überhaupt nicht anerkannt.
Niemand wird wohl Sargträger aus Berufung. Wie reagieren die Menschen,
wenn Ihr von Eurem Beruf erzählt? Mit Schrecken, mit Abwehr, mit
Neugier?
Im Unterschied zu mir kennt Ihr nicht die Geschichte des Menschen, den
Ihr zu Grabe tragt. Kennt nicht die Angehörigen und Ihre Trauer.
Vielleicht wisst Ihr den Namen und das Alter. Vielleicht nicht einmal
das. Vor Euch sind alle Menschen gleich.
Ich sage Euch meinen
Dank und meinen Respekt. Tragt Menschen liebevoll und behutsam zu ihrer
letzten Ruhestätte.
KÄLTE
10. Januar 2010
So oft komme ich vollkommen durchgefroren von einer Trauerfeier nach Hause
und freue mich auf eine heiße Dusche. Warum ist es in den meisten
Friedhofshallen eigentlich immer so kalt? Es reicht doch, wenn es in den
Kühlzellen kalt ist. Dabei frieren trauernde Menschen sowieso mehr
als andere.
Ja, ja, ich weiß schon, diese Hallen sind oft so groß, die
lassen sich schwer heizen. Es liegt wohl am ehrwürdigen Alter vieler
Hallen. Viele sind sehr schön, mit Marmorengeln und Säulen,
manchmal stehen sie auch unter Denkmalschutz. Doch sie sind so falsch
für die Bedürfnisse der Lebenden.
Lasst uns die Marmorhallen abreißen und warme, helle Räume
schaffen, in denen Menschen Abschied nehmen können. Und solange das
noch nicht geschehen ist - denken Sie daran, sich warm anzuziehen, wenn
Sie zu einer Trauerfeier gehen. Und wenn Sie nach der Beerdigung eines
Angehörigen noch zusammen etwas essen wollen, bestellen Sie am besten
einen großen Topf heißer Suppe für alle.
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